Fangen wir mit der Dauerkritik an: die Synchronisation. Vor allem französischsprachige Filme habe ich stets in schlechter Erinnerung behalten – nicht wegen der meist hervorragenden Handlung, sondern aufgrund der miserablen deutschen Vertonung. So auch bei “Small World“, einer Adaption von Martin Suters gleichnamigen Erfolgsbuch.
Der gealterte Konrad Lang (Gérard Depardieu) vergisst die Gegenwart. Alzheimer scheint ihn heimzusuchen. Da überrascht es nicht, dass er eines Tages das Kaminfeuer vergisst, das er in einem Haus seiner Ziehfamilie entzündet hat. Das von ihm gehütete Haus brennt ab und er kehrt zu Elvira Senn zurück, die ihn als Kind aufgenommen hatte. Die Senns sind schwerreich und angesehen. Konrad kommt ihnen mit seiner zunehmenden Tolpatschigkeit und Vergesslichkeit sehr ungelegen. Nur Simone (Alexandra Maria Lara), die Frau von Elviras Enkelkind, kümmert sich um ihn. Es dauert nicht lange und sie muss erkennen, dass Elvira ein dunkles Geheimnis verbirgt, das Konrad mit seinen intensiver werdenden Erinnerungen an seine Kindheitstage aufzudecken droht.
Ein verwobenes, verwirrendes, mitunter langweiliges Familiendrama, das fast ausschließlich durch Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara getragen wird. Leider verspielt der Film viele Chancen, den Zuschauer wirklich zu packen. Die Szenen und Dialoge wirken bis auf wenige Ausnahmen distanziert, kühl, oberflächlich. Es mag keine emotionale Bindung aufkommen. Wenn Emotionen gezeigt werden, dann wirken sie aufgesetzt, unecht, kitschig. Häufig sind es nur die feinen Details von Depardieus Spiel, die überzeugen.
Der Regisseur arbeitet sich an Klischees ab und hat einige rein handwerkliche Fehler eingebaut, z.B. ein klar erkennbares, weil unpassendes, Hand-Double für Depardieu am Klavier. “Small World” ist einfach nicht rund, nicht überzeugend. Dass er der Buchvorlage zudem nicht gerecht zu werden scheint, kommt zu allem Überfluss dazu.
Ein Teil der Kritik könnte sich in Luft auflösen, hätte die Vorstellung im Original mit Untertiteln stattgefunden. Die deutsche Synchronisation trägt ihren Teil dazu bei, “Small World” nicht weiterempfehlen zu können. Schade, denn die im Film angerissenen, aber bei weitem nicht ausgearbeiteten Themen um Familie, eine tückische Krankheit und Vergangenheit hätten ein Potential gehabt, das Martin Suters Buch zum Millionenerfolg hat werden lassen.