Mit mehr als drei Millionen Zuschauern in Frankreich, einem Überraschungserfolg in Cannes und fast ausnahmslos guten Kritiken war es nicht leicht, unvoreingenommen den auf wahren Begebenheiten beruhenden Film “Von Menschen und Göttern” zu sehen. Es geht um das Leben französischer Mönche in Algerien Mitte der 1990er Jahre und ihre Entscheidung, trotz zunehmender Gefahr im Land zu bleiben.
Neun Möche christlichen Glaubens bewirtschaften in einem kleinen algerischen Dorf ein Kloster, das weit über seine Grenzen hinaus geachtet ist. Christian steht den Mönchen vor und hat mit seinen Korankenntnissen das Vertrauen und die Anerkennung der islamisch geprägten Bevölkerung erworben, die die Mönche in ihr Leben einbindet. Abseits der ländlichen Idylle braut sich jedoch ein Bürgerkrieg zusammen, der von religiösem Fanatismus geprägt ist und sich gegen die Militärregierung richtet. Doch vor allem Ausländer bekommen den Zorn islamistischer Freiheitskämpfer zu spüren. Als die ersten Gräueltaten auch das Dorf der Mönche erreichen, steht die Frage im Raum, das Dorf zu verlassen und nach Frankreich zurückzukehren. Nach langen, intensiven Tagen der Überlegung, des In-sich-gehens und Betens treffen sie eine Entscheidung, die sieben von ihnen im Jahr 1996 das Leben kosten wird…
Xavier Beauvois’ Werk ist nichts für unruhige Gemüter. Er lässt sich Zeit, zwei Stunden lang. Zeit, in der die Kamera in stillen, immer wiederkehrenden Bildern den Alltag der Mönche zwischen Gebet und Nächstenhilfe einfängt. Durchbrochen wird diese Ritualität durch ganz menschliche Gedanken, Zweifel und Fragen. Dem Regisseur gelingt eine ausgewogene, in keinster Weise vorwurfsvolle oder anklagende Begegnung zwischen zwei Religionen, die in den Strudel politischer Irrungen geraten. Erscheint der Film in vielen Teilen schlicht langatmig und stellt sich mindestens ebenso oft die Frage nach dem Zweck dieser schon fast dokumentarischen Züge, so formt sich am Ende ein stimmiges Werk, das allein durch zwei Szenen derart berührt, dass es als Meisterwerk gelten kann.
Ein Kunstwerk, ein Dialog zwischen Kulturen. Ein Versuch, das Politikum der Mönchsmorde aus Sicht der Mönche zu betrachten, ihre Beweggründe, nicht zu fliehen, mit dem Zuschauer gemeinsam zu erforschen. Wer ausreichend Geduld mitbringt, wird mit einem beeindruckenden und verstörenden Werk zeitgeschichtlicher Aufarbeitung belohnt. Sehr empfehlenswert.