Einen abschreckenderen Titel hätten die Macher des Films kaum finden können. Dass er außerdem noch falsche Erwartungen weckt, zeigt sich bereits in den ersten Filmminuten. Dort steht zu lesen “Die letzten 3 Jahre”.
Genau dort setzt die Geschichte an. John und Lara führen ein harmonisches Leben, wie wir es aus dem Hause Hollywood nicht besser hätten erwarten können. Ein Leben, das jäh zerrissen wird, als eines Morgens die Polizei Johns Frau wegen Mordes an ihrer Chefin verhaftet. Alle Indizien sprechen gegen sie. Für John und seinen Sohn bricht eine Welt zusammen. Verzweifelt versucht er mit allen juristischen Mitteln die Unschuld seiner Frau zu beweisen. Doch keine Chance. Als seine Frau nur knapp einen Selbstmordversuch überlebt, schmiedet er mit Hilfe des ehemaligen Gefängnisinsassen Damon einen riskanten Plan, um sie aus dem Gefängnis zu befreien. Dabei muss er sich nicht nur von moralischen Skrupeln lösen, sondern auch von dem Gedanken, seinen Sohn möglicherweise nie wieder zu sehen.
Mehr als zwei Stunden Popcorn-Kino mit Stars wie Russell Crowe, Elisabeth Banks und Liam Neeson. Das Popcorn sollte man sich aber für das letzte Drittel des Films aufsparen. Erst dann kommt er in Fahrt, erst dann beginnen tatsächlich die im Titel beschworenen “72 Stunden“, die John für die Befreiung bleiben, bevor seine Frau in ein anderes Gefängnis verlegt und sein über Jahre ausgetüfftelter Plan nutzlos werden würde.
Die ersten beiden Drittel von Paul Haggis’ Film hätten durchaus zu Gunsten der Spannungskurve eingekürzt werden können. Weder die Dramaturgie noch der Zuschauer haben einen Mehrwert von stetig wiederkehrenden Szenen zwischen John und Lara im Gefängnis. Zwar setzt John seinen Plan am Ende in die Tat um, Haggis widmet sich aber nur sporadisch der eigentlichen Befreiungsplanung, sondern schwankt zwischen melodramatischen und gefühlsduseligen Szenen hin und her. Wären nicht das ruhige, mitreißende Spiel von Russell Crowe und die von Elisabeth Banks wunderbar herausgearbeitete Zerbrechlichkeit ihrer Figur, würde der Film in ein Niveau abrutschen, das kaum zu ertragen wäre.
So aber verspricht “72 Stunden” einen hohen Unterhaltungswert. Ein solider Film mit vielen logischen Schwächen, die jedoch durch die furiose und spannend umgesetzte Befreiungsaktion wieder wett gemacht werden. Wer sich erst einmal auf den teils haarsträubenden Plot und die zweifelhafte Moral der Selbstjustiz einlässt, wird die Popcorntüte am Ende mit dem guten Gefühl geleert wissen, dass das Geld die Unterhaltung wert war.