12. November 2009...16:46

Im Kino: 2012

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Roland Emmerichs neues Katastrophenwerk läuft heute offiziell in den deutschen Kinos an. Gestern gab es bereits hier und da Previews. Jene in Freiberg war für hiesige Verhältnisse erstaunlich gut gefüllt. Alle wollten die Welt untergehen sehen – und sich stellenweise köstlich über die übertriebene Katastrophenausweichakrobatik der Filmhelden amüsieren.

Die Mayas wussten es und viele andere Völker vor uns auch – am 21.12.2012 wird die Welt untergehen. Durch die bis dahin stärkste Sonnenaktivität durchdringen deutlich mehr Neutrinos die Erde als üblich und lösen erstmals Reaktionen aus. Der Erdkern heizt sich auf, die Erdkruste wird instabil. Es wäre kein Katastrophenfilm, wenn es nicht einen heroischen Hauptdarsteller geben würde, der sich und seine Familie rettet. Diese beliebig austauschbare Person wird in „2012“ von John Cusack verkörpert, der seine Familie in den Himalaya bringen möchte. Dort haben die Regierungen der mächtigsten Länder riesige Schiffe bauen lassen, die eine (finanziell gut ausgestattete) Auswahl der Menschheit samt einiger Tiere und Pflanzen vor der Katastrophe retten sollen. Unterdessen fallen Wolkenkratzer wie Spielzeugtürmchen zusammen, reißen kilometertiefe Spalten auf, rutschen ganze Städte auf Erdkrustenschollen in die Ozeane, überspülen kilometerhohe Tsunamiwellen ganze Kontinente, bricht der Yellowstone aus, verschieben sich Kontinente um tausende Kilometer und gewinnt der Filmheld seine von ihm getrennte Frau zurück, weil sein Konkurrent traurigerweise durch eine Art überdimensionierten Fleischwolf gedreht wird.

Emmerichs Werk imponiert mit atemberaubenden Animationen und extrem realistisch anmutenden Effekten. Das war es aber auch. Schauspieler hätte der Film nicht nötig gehabt. Sie gehen in dieser Katastrophenorgie genauso unter wie das Weiße Haus in Washington oder der Vatikan in Italien. Die Aneinanderreihung von noch nie gesehenen Katastrophenszenen ist stellenweise derart übertrieben, dass einem der Film wie Satire vorkommt. Und so bleibt das eine oder andere amüsierte Lächeln nicht aus. Popcorn-Kino pur.

Ein wenig Realitätssinn sollte dem Werk trotzdem zu Gute gehalten werden: der schwarze US-Präsident (gespielt von Danny Glover) verzichtet ehrenwerterweise auf seine Rettung. Die deutsche Bundeskanzlerin dagegen ist selbstverständlich an Bord des rettenden Riesenschiffes und harrt der Dinge, die kommen mögen.

Bleibt mir nur noch ein Wunsch: macht einen Katastrophenfilm mit Emmerichs fantastischen Effekten, aber mit dem dialogischen und seelischen Tiefgang von Wolfgang Petersens „Das Boot“.

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