Im Kino: Salami Aleikum

Es war mal wieder Sneak Preview-Zeit. Und schon der Titel des im Vorspann mit allerlei netten Comic-Schafen verzierten Films ließ schon nichts Gutes erwarten: “Salami Aleikum“.

Worum geht es? Mohsen, der Sohn eines iranischen Einwanders und nun Kölner Metzgers, soll in die Fußstapfen seines Vaters treten. Dumm nur, dass er kein Blut sehen kann und in kürzester Zeit die Fleischerei herunterwirtschaftet. Um seine Misserfolge im Fleischergeschäft und damit den Zorn seines Vaters und seine eigenen Ängste zu verarbeiteten, strickt Mohsen unaufhaltsam an einem Schal. Eines Tages fasst er den Entschluss, in Polen neue Schafe für einen Neubeginn der Fleischerei zu kaufen, havariert aber mit dem Transporter in einem kleinen ostdeutschen Städtchen. Dort trifft er die Automechanikerin Ana (Anna Böger), die zu DDR-Zeiten eine mit Vitaminpräparaten aufgepeppelte Kugelstoßerin war. Ihr Vater, verzweifelt auf der Suche nach Investoren für das ehemalige Textilkombinat seines Städtchens und gleichzeitig Kneipenbetreiber, sieht nach anfänglicher Feindseeligkeit in Mohsen einen Investor und umwirbt ihn wo es nur geht. Unterdessen entspinnt sich zwischen Mohsen und Ana eine Liebesbeziehung, die auch auf der Lüge aufbaut, Mohsen sei ein finanzkräftiger Investor. Als Mohsens Vater plötzlich im Ort auftaucht, droht das Lügen- und Hoffnungsgebäude Mohsens und Anas Vaters aufzufliegen.

“Salami Aleikum” ist vor allem am viel zu lang gezogenen Anfang und am Ende mit extrem übertriebenen Bollywood-Anleihen ausgestattet, die einen fremdschämend in den Kinosessel rutschen lassen. Der Film will mit Ossi- und Ausländervorurteilen spielen, tut dies aber auf so flache und vorhersehbare Weise, dass man sich fragt, wie so ein Film überhaupt das Kino erreichen konnte. Im mittleren Teil des Werks von Regisseur Ali Samadi Ahadi kommt beim Zuschauer etwas Hoffnung auf Besserung auf, da die komödiantischen Parts, vor allem zwischen Mohsens und Anas Vater (größtenteils herrlich: Wolfgang Stumph), endlich das niedrige Niveau verlassen und mit etwas mehr Sinn und Hintergrund auf den Zuschauer niederprasseln.

Ahadis Film ist völlig überzeichnet und in einem Maße übertrieben, das weh tut. Die Übertreibung von Klischees ist sicher gewollt und kann ein effektives Stilmittel sein, aber in diesem Falle ging das Vorhaben nach hinten los. Und so bleibt dem Zuschauer gegen Ende des Films nichts weiter, als erneut fremdschämend in den Sessel zu rutschen und auf einen interessanten Abspann zu hoffen.

(Weshalb “Salami Aleikum” Publikums- und Nachwuchspreise und passable Kritiken bekommt, bleibt mir ein Rätsel.)

5 Kommentare

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5 Antworten zu Im Kino: Salami Aleikum

  1. Thorben

    Ich bin einer komplett anderen Meinung.
    Der Film ist auf seine Art halt außergewöhnlich und spricht deshalb nicht jeden sofort an. Gründe dafür sind sicherlich zum einen die moderne bunte Aufmachung und es ist im Großen und Ganzen ein sehr künstlerisch angehauchter Film. Nicht nur von den Bildern her, auch von der Verteilung der Sprechrollen, die sich hier und da als Erzähler abwechseln und man Einblicke in ihre Sichtweise bekommt.

    Der Humor ist wirklich grandios. Das ist aber auch Geschmackssache.
    Ich persönlich fand er herzlichst amüsant, wie der Film so facettenreich verschiedene Aspekte mit seiner ironischen Art auf die Schippe genommen hat.
    Vor allem den Aspekt des Bollywood-Films. Haben Sie sich schonmal so einen Film angeschaut? Ich bisher nur einmal und das hat auch gereicht. Und ich finde es genial, dass endlich mal Jemand dies veralbert.

    Ich würde den Film nicht so unterbewerten, denn das hat er einfach nicht verdient.
    Es gibt so viele schlechte Filme und zu diesen gehört er auf jeden Fall nicht.

    Vielleicht haben Sie ihn auch einfach nur mit der falschen Einstellung betrachtet.
    Solche Filme erfordern Offenheit.

  2. Eigentlich habe ich den Film ganz ohne Einstellung gesehen, weil es Zufall war, dass dieser Film kam. Ich hatte weder positive noch negative Erwartungen oder Einstellungen. Ein wenig weniger Übertreibung hätte dem Film gut getan, denn schlecht ist er grundsätzlich nicht. Man ist in meinen Augen nur etwas über den guten Geschmack hinausgeschossen. Aber das ist wie bei jedem Film Ansichtssache.

    Vielen Dank jedenfalls für die andere Sichtweise.

  3. Pingback: blauerblubb's Gedankenwelt » Zufällig kommentiert?

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  5. Hm..

    Also ich war bei dem Dreh dabei und für das magere Budget was wir hatten (und bei den paar Drehtagen), wurde es doch ein wirklich guter “deutscher” Film. Ich war auch nicht hundertprozentig überzeugt, als ich ihn dann bei der Premiere gesehen habe. (Was vorallem daran lag, dass ich beim Drehbuchlesen andere Vorstellungen hatte und Navid aka Rolle Mohsen nicht immer überzeugend war bzw. die Rolle in meinem Kopf eine andere Ausstrahlung hatte.) Aber merkt bei vielen Bildern einfach wieviel Herz die ganze Crew in die Produktion gesteckt hat. Man muss den Film schon zwei, drei mal sehen um wirklich alle Details zu entdecken.

    Ich finde den Film noch zu kurz, weil einige Rollen hätten mehr Tiefe haben können (Dorfjungs z.B.) was die Geschichte echt berreichert hätte. (Dann wäre das Ende auch nicht so gestaucht gewesen.)

    Wie auch immer, für den Produktionsrahmen ist der Film wirklich gelungen und eine echte Alternative zu Bully Herbig und Schweiger Produktionen mit ihren ausgelutschten Settings und Volkswitzchen.

    Er ist abgedreht, er ist schön und er erzählt uns ein modernes Märchen.

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