Eine Reise die ist lustig…

Was denkt wohl der gemeine Bürger, wenn er das Stichwort “Deutsche Bahn AG” hört? Richtig: “Mehdorn” und “Verspätung”. Herr Mehdorn wurde abgesetzt, aber leider nicht die Verspätungen der Züge. Ich kann mich nur an wenige Züge erinnern, die pünktlich angekommen wären. Und da ist es fast ein Kuriosum, dass ich vor wenigen Tagen auf dem Weg nach Dresden bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof hören durfte: “Wir erreichen den Hauptbahnhof zwei Minuten vor der planmäßigen Ankunft.” Warum man sich dafür allerdings mit “Wir bitten Sie dafür um Verständnis.” diesen Sonnenstrahl am Bahnhorizont gleich wieder zunichte machte, ist mir unklar. Weshalb ich diese Vorgeschichte aufschreibe, hat einen speziellen Grund. Den zwei Minuten Zeitvorsprung folgten auf der Rückfahrt etliche Stunden Zeitverlust…

Ich war in Cottbus unterwegs. Für die Rückfahrt nutzte ich einen RE (Regionalexpress), der stets den Eindruck vermittelt, als seien in Brandenburg generell die Auslaufmodelle der DB im Einsatz. Kurz vor Dresden, im verschlafenen Örtchen Priestewitz, von dem die Menschheit vermutlich nur die Bahngleise kennt, fuhr der Zug nicht weiter. Einige Minuten dauerte es bis die Durchsage “Die Abfahrt des Zuges verzögert sich aufgrund eines Oberleitungsschadens um 10-15 Minuten.” meine Vermutungen bestätigte. Mir war es egal. Die 1a-Verbindung zwischen Cottbus und Freiberg ermöglicht es dem Kunden der DB nämlich, geschlagene 47 Minuten auf den Anschluss in Dresden zu warten. Durch die Verspätung konnte ich also gepolstert im Zug statt auf der harten Bahnhofsbank warten.

Nach mittlerweile 30 Minuten (merke: ein Zug, der sich 10-15 Minuten verspätet haben soll, ist generell mindestens doppelt so spät dran) folgte die nächste Durchsage, die meine Illusion von einem guten Ende der Rückfahrt zerstörte: “Dieser Zug wird aufgrund eines Oberleitungsschadens und eines Dammbrandes nicht mehr weiterfahren [raunen im vollen Zug]. Fahrgäste nach Dresden nutzen bitte den Zug nach Riesa auf dem gegenüberliegenden Bahngleis.” Nun gut, dann eben nach Riesa und von dort nach Dresden. Man hatte jedoch nicht bedacht, dass es ziemlich eng werden könnte, wenn die Menschen eines vollen Zuges in einen ebenso vollen Zug hineingequetscht werden sollen.

In Riesa nun folgte das gleiche Spiel. Menschenmassen drängten in den Zug nach Dresden Hbf. Und als wäre es nicht schon genug Abenteuer gewesen, durften die Fahrgäste feststellen, dass dieser Zug erneut Priestewitz durchfährt, um nur eine Station später im noch verschlafeneren Nest Niederau zu stoppen und mit der Ansage “Dieser Zug endet hier. Bitte nutzen Sie den Schienenersatzverkehr am Bahnhofsvorplatz.” weiteren Frust unter den DB-Kunden zu schüren.

Menschenmassen warten auf den Schienenersatzverkehr, der 30-40 Minuten zu spät eintrifft.

Menschenmassen warten auf den Schienenersatzverkehr, der 30-40 Minuten zu spät eintrifft.

Da standen sie nun, die Massen, die mindestens 4-6 Busse gebraucht hätten, um “abtransportiert” zu werden. Wenn Busse vor Ort gewesen wären… geschlagene 30-40 Minuten dauerte es bis zwei (!) Busse eintrafen, die vielleicht ein Drittel der Fahrgäste in sich aufnehmen konnten. Der Rest musste weiter warten oder ist aus Verzweiflung zu Fuß in Richtung Weinböhla gelaufen. Eine sinnlose Aktion, weil auch dort keine Bahn fuhr und weitere Fahrgäste auf Busse warteten. Wer nun aber denkt, genug der Odyssee, hat weit gefehlt. Die Bahn ließ den völlig uninformierten Busfahrer nur bis Radebeul West und nicht etwa bis Dresden Hbf. fahren. Von Radebeul aus musste eine S-Bahn genommen werden, die erneut überfüllt und ohne jede Information oder Angabe von Gründen 20 Minuten zu spät abfuhr. Selbst der Zugführer wusste nichts.

Menschenmassen warten auf den Schienenersatzverkehr, der 30-40 Minuten zu spät eintrifft.

Menschenmassen warten auf den Schienenersatzverkehr, der 30-40 Minuten zu spät eintrifft.

Irgendwann kam ich auch in Dresden an und konnte dann ohne weitere Hindernisse nach Freiberg fahren.

Ich habe der Bahn eine E-Mail geschrieben und bin gespannt auf die Antwort. Einige Fragen an die Deutsche Bahn AG seien hier aufgelistet:

  • Wieso schickt man uns von Priestewitz nach Riesa in einen Zug nach Dresden, der sowieso in Priestewitz gehalten hätte?
  • Wieso werden die Fahrgäste nicht über die Gründe von Zugverspätungen und längere Wartezeiten informiert?
  • Wieso weiß nicht einmal der Lokführer bescheid, wann er loszufahren hat?
  • Weshalb ist eine Schaffnerin nicht in der Lage, Informationen einzuholen, wann der nächste Bus von Priestewitz nach Dresden fährt?
  • Weshalb weiß auch das Busunternehmen nichts, noch nicht einmal das konkrete Ziel der Fahrt?
  • Wieso werden die Fahrgäste ohne Betreuung und Information auf dem Bahnhof in Niederau sich selbst überlassen?

Letztlich macht mir der Grund der Verspätung nichts aus (Dammbrand, Oberleitungsschaden). Das kann passieren. Wie dann aber mit dieser Situation seitens der Bahn umgegangen wurde und wie die Kunden ahnungslos hin- und herkutschiert wurden, entbehrt jeden Verständnisses und zeigt, wieviel bei der DB AG noch im Argen liegt.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu Eine Reise die ist lustig…

  1. Das klingt ja auch großartig.

    Priestewitz scheint ja generell ein Problembahnhof zu sein. Ein früherer Mitbewohner ist da mal nachts gestrandet (immerhin gab’s dann ein Taxi nach Cottbus) und ich hatte da auch so meine speziellen Erlebnisse

    Hast Du von der Bahn noch ne Antwort auf Deine Fragen bekommen?

    Übrigens: in Brandenburg sind nicht nur Auslaufmodelle unterwegs. Der RE nach Berlin ist eigentlich ganz schick. Sobald’s aber nach Sachsen geht, werden die ollen Kisten rausgeholt. ;-)

    • Das war die Antwort: “Wir bedauern, dass Sie von der Oberleitungsstörung am 13. April betroffen waren.”
      Keine Reaktion also auf meine Fragen. “Entschädigt” hat die Bahn mich mit einem 10-Euro-Reisegutschein. Auf den hätte ich gern verzichtet, wenn ich stattdessen ein paar Antworten bekommen hätte…

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